Vorbemerkung:

Die nachfolgenden Erläuterungen sind nur für diejenigen verständlich, die Grundkenntnisse über die damaligen Strukturen und Gesetzesbestimmungen des Katastrophenschutzes in der Bundesrepublik besitzen. Wir bitten um Verständnis, dass wir hier keine weiteren Erläuterungen vornehmen können.

Seit dem Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ist nach den Regelungen des Grundgesetzes die Aufgabe des Katastrophenschutzes im Prinzip Sache der Länder (friedensmäßiger Katastrophenschutz). Dem Bund hingegen war durch das Grundgesetz die Zuständigkeit für den Katastrophenschutz im Spannungs- und Verteidigungsfall zugewiesen (sog. "erweiterter Katastrophenschutz").

Dadurch, dass die eigentlich zuständigen Bundesländer während der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik wenig eigene friedenszeitliche Katastrophenschutzvorkehrungen getroffen und sich stattdessen voll auf das vom Bund bereitgestellte Potential (insbesondere Fahrzeuge und Helfer) gestützt hatten, kam es zwangsläufig sehr frühzeitig zu einer Dominanz des Bundes (wer das Material bezahlt, bestimmt auch dessen Verwendung). Das Gesamtgefüge des Katastrophenschutzes stand damit gewissermaßen auf dem Kopf; die als "Erweiterung" konzipierte Masse war zur Grundsubstanz geworden.

So ist es auch zu verstehen, dass in Sachen Katastrophenschutz die Geschicke der DLRG in den beiden Landesverbänden Nordrhein und Westfalen praktisch ausschließlich von den Vorgaben des Bundes bestimmt wurden. Insofern ist die Geschichte des DLRG-Landesverbands Nordrhein im Katastrophenschutz des Landes Nordrhein-Westfalen eigentlich die Geschichte der DLRG im gesamten Bundesgebiet. Damit war zugleich das Präsidium der DLRG Anwalt für alle Landesverbände.

Der nachfolgende zeitliche Abriss deckt die Zeit zwischen 1971 und 1981 ab. Er spiegelt wider, welchen "Eiertanz" die DLRG in diesen zehn Jahren ausführen musste. Ähnliches gilt für die beteiligten Bundesbehörden. Eine Verbesserung für die DLRG trat erst nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts und der Auflösung der bisherigen KatS-Strukturen durch den Bund ein. Nun haben überwiegend die Länder das Sagen, und damit ist auch nur noch das bilaterale Verhältnis der DLRG-Landesverbände zu ihren Landesregierungen für die weitere Einbindung in die KatS-Strukturen maßgeblich.

Doch nun der angekündigte Exkurs in der Vergangenheit:

August 1971
Nachdem mehrere Bundesländer beantragt haben, der DLRG die allgemeine Eignung auszusprechen, blockt das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz zunächst ab mit dem Hinweis, dass zunächst die Bundesebene der DLRG formell die Bereitschaft zur Mitwirkung erklären und gleichzeitig angeben müsse, mit welchen Einheiten in welchem Fachdienst sie mitwirken wolle.

1972
Das Präsidium der DLRG beschließt, dass eine Mitwirkung der DLRG im Erweiterten Katastrophenschutz nicht in Betracht komme.

1974
Die DLRG stellt den Antrag auf Anerkennung der allgemeinen Eingnung für die Mitwirkung im Katastrophenschutz

29. November 1974
Besprechung im Bundesamt für Zivilschutz (BZS) mit dem Vizepräsidenten der DLRG. Hierbei erklärt das BZS, dass es nur dann eine Mitwirkungsmöglichkeit für die DLRG sehe, wenn diese komplette Bergungszüge aufstelle. Ein separater Fachdienst "Wasserrettung", wie von der DLRG postuliert, käme nicht in Betracht. Ebenso sei auch die Aufstellung von Teileinheiten für die Aufgabe "Rettung aus Wassergefahren" nicht denkbar.

18. Juli 1975
Feststellung der allgemeinen Eignung der DLRG durch das BZS

März 1976
Das Land Nordrhein-Westfalen fragt beim Bundesministerium des Innern (BMI) und beim BZS nach, wie diese sich die Mitwirkung der DLRG vorstellten angesichts der Tatsache, dass sich die Wasserrettungszüge der DLRG keinem Fachdienst zuordnen ließen.

April 1976
Der Präsidialrat der DLRG beschließt die Kernaussage, dass die DLRG-Gliederungen im Erweiterten Katastrophenschutz nur die eigentliche DLRG-Aufgabe "Wasserrettung" wahrnehmen sollen. Nur hierauf soll sich der Nachweis der besonderen Eignung beziehen. Ferner sollen die DLRG-Einheiten eigenständig arbeiten und unter eigener Leitung eingesetzt werden. Langfristig wird ein eigener Fachdienst "Wasserrettung" angestrebt.

Mai 1976
Das BMI erklärt, dass die Anerkennung der allgemeinen Eignung der DLRG nur mit der Maßgabe ausgesprochen worden sei, dass die DLRG in einem der etablierten Fachdienste und in einer dementsprechenden Gliederungsform mitwirke; ein Fachdienst "Wasserrettung" komme nicht in Betracht. Damit sei auch die Anerkennung der besonderen Eignung für Wasserrettungszüge der DLRG nicht möglich.

Juli 1976
Besprechung im Innenministerium NRW mit den Geschäftsführern der Landesverbände Nordrhein und Westfalen. Hierbei erklären die Vertreter der DLRG, dass nunmehr Tauchgruppen/Tauchtrupps und Bootsgruppen/Bootstrupps aufgestellt würden, die - angelehnt an die Bergungszüge der Feuerwehr und des THW - im Rahmen des Fachdienstes Bergung einsatzfähig seien.

März 1977
Das BMI erklärt, dass das vorhandene Potential des Erweiterten Katastrophenschutzes ausreiche. Es sehe keine Notwendigkeit, die DLRG in den Katastrophenschutz mit einzubeziehen.

Oktober 1977
Keine Positionsänderung beim BMI. Das Land NRW verweist auf die widersprüchliche Haltung des Bundes: Man habe die allgemeine Eignung der DLRG festgestellt, obwohl von vornherein feststand, dass die besondere Eignung der Einheiten nicht in Betracht käme. Die DLRG wird um Erklärung ihrer Position gebeten unter Androhung des Widerrufs der allgemeinen Eignung, wenn nicht alsbald eine Anpassung an die Gliederung des Erweiterten Katastrophenschutzes erfolge.

18. August 1979
Das Präsidium der DLRG legt eine neue StAN vor und erklärt die weitere Bereitschaft zur Mitwirkung im Katastrophenschutz.

04. September 1979
Besprechung im BMI mit DLRG und Vertretern einiger Bundesländer. Die Grundfrage der Mitwirkung sei durch die Erklärung der DLRG pro forma geklärt; offen sei aber weiterhin die Frage einer Aufgabendefinition für die Wassergefahren. In der Besprechung wird deutlich, dass der Bund am liebsten seine allgemeine Anerkennung zurückziehen würde, wenn dies politisch noch möglich gewesen wäre.

August 1981
Nachdem die Helferzahlen im Erweiterten Katastrophenschutz auf 142.000 festgeschrieben und definitiv auf die bereits eingebundenen Hilfsorganisationen verteilt sind, sieht der Bund weder Grund noch Möglichkeit, eine Einbindung der DLRG zu Lasten anderer Organisationen vorzunehmen.